Hiermit erklären wir, die Kurdistansolidarische Offensive München,
unsere Gründung. Wir sind ein Zusammenschluss von Antifaschist*innen, die
sich auch weit entfernt vom Kriegsherd in Nordsyrien mit dem Kampf der
Kurdinnen und Kurden für eine freie und gerechte Zukunft praktisch
solidarisieren möchte.
Gerade jetzt, wo Rojava (Syrisch-Kurdistan) verstärkt von der Türkei
angegriffen wird, ist es wichtig sich mit den progressiven Kräften in
Kurdistan solidarisch zu zeigen. Dabei wollen wir auf die Hintergründe
dieses Krieges aufmerksam machen und versuchen zu erklären worum es sich
bei dem gesellschaftspolitischen Experiment Rojava handelt. Um
anschlussfähige Bündnisse gegen den Krieg der Türkei und seine
heimlichen Unterstützer in Deutschland zu schaffen, sehen wir es als
unsere Aufgabe aufzuzeigen, dass Rojava nicht nur eines von vielen
Gebieten im Flickenteppich im Bürgerkriegsland Syrien ist.
Denn die Menschen in Rojava haben 2012 kurzerhand ihr Schicksal in die
eigene Hand genommen und angefangen die Vision einer alternativen
Gesellschaftsordnung umfassend in die Praxis umzusetzen: den
demokratischen Konföderalismus. Schritt für Schritt wurden Betriebe,
Gemeinden, Stadtviertel und ganze Kantone den kapitalistischen und
patriarchalen Zwängen fast gänzlich entzogen. Obwohl es eine
Gesellschaft im Krieg ist wurde eine zu großen Teilen autonome
Rätedemokratie etabliert, die sich auf basisdemokratische, ökologische,
feministische und antikapitalistische Grundsätze stützt. In Rojava leben
heute die verschiedensten Religionen, Ethnien und Geschlechter friedlich
und in einem kooperativen Miteinander, was besonders für den Nahen Osten
einzigartig ist.
Der Krieg gegen Rojava ist auch ein Krieg gegen unsere Ideale! Gerade
deshalb muss der Widerstand parallel zum Freiheitskampf der kurdischen
Volks- und Frauenverteidigungseinheiten auch hier organisiert werden.
Wir als KOM haben den Anspruch ein Bewusstsein für das Modell des
demokratischen Konföderalismus und den Krieg in Kurdistan aus einer
emanzipatorischen Perspektive heraus zu schaffen. Wir wollen
unorganisierte Menschen ebenso erreichen wie die verschiedenen
Strömungen der Münchner radikalen Linken. Dabei sind wir uns der
Spannungsfelder bewusst, sind jedoch der Meinung, dass eine Mischung aus
Kooperation und Kompromiss der einzige Weg ist effektiv den Widerstand
zu organisieren.
Die kurdische Bewegung setzt sich für die Befreiung der Frau, eine
basisdemokratische Gesellschaft und eine gerechte Organisierung der
Ökonomie ein – genau das wofür die radikale Linke weltweit ebenfalls
kämpft. Gerade weil viel Unklarheit über die Umsetzung dieser Ideale
herrscht und in den letzten Jahren kein konkretes Ziel entwickelt werden
konnte, finden wir es wichtig von Rojava zu lernen und diese Ideen
gemeinsam weiter zu entwickeln.
Wir wollen unseren Teil zu diesem Prozess beitragen. Langfristig
versuchen wir Begegnungspunkte in Form von offenen Treffen und
gemeinsamen Aktionen zwischen der kurdischen und linken Bewegung zu
ermöglichen. Dabei soll unserer Meinung nach ein Dialog, das Teilen von
Erfahrungen und die Planung einer gemeinsamen politischen Perspektive im
Vordergrund stehen. Nehmen wir uns Rojava zum Vorbild und kämpfen
gemeinsam Seite an Seite. Schaffen wir auch hier revolutionäre
Verhältnisse, indem wir demokratische und emanzipatorische Perspektiven
auf der Straße und in den Köpfen der Menschen verbreiten. Brechen wir
die Herrschaft der falschen Freiheit und und zeigen wie Gleichheit,
Freiheit und Menschlichkeit wirklich aussehen können.
KOM, April 2018